Die Sonata da camera ist eine Gattung der Musikkomposition des 17. Jahrhunderts für ein oder mehrere Melodieinstrumente und Basso continuo. Sie besteht in der Regel aus einer Suite mehrerer kurzer Stücke im selben Modus oder in derselben Tonart, die sich zum Tanzen eignen. Zahlreiche solcher Werke entstanden Mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts bei Komponisten in Deutschland, darunter Heinrich Biber, Dietrich Becker und Johannes Schenck. Der Begriff „Sonata da camera“ kam jedoch erst Ende des 17. Jahrhunderts in Italien in Gebrauch, als Werke von Komponisten wie Arcangelo Corelli zur Popularität sowohl der Sonata da camera als auch der Sonata da chiesa beitrugen.
Ursprünglich wurde der Begriff „Sonata da camera“ in seiner wörtlichen Bedeutung von „Kammermusik“ verwendet, später jedoch im übertragenen Sinne, um diese Gattung der Komposition von der Sonata da chiesa abzugrenzen, die wörtlich „Kirchenmusik“ bedeutete, aber im Allgemeinen aus einer Suite von vier Sätzen mit einem Largo-Allegro-Largo-Allegro-Tempo bestand.
In der „Oxford History of Western Music“ beschreibt Richard Taruskin eine Sonata da camera als „…im Wesentlichen eine Tanzsuite, die Corelli an das damals übliche viersätzige Format (ein Präludium und drei Tänze oder Verbindungssätze) anpasste“. Die Sätze erhielten entweder Tempoangaben oder Namen, die den Tanzstil kennzeichneten, z. B. Corrente, Sarabande oder Gigue. Dennoch gibt es große Unterschiede in der Form der als Sonata da camera bezeichneten Musik. Beispiele hierfür sind Legrenzis op. 4 von 1656, das aus einzelnen Sätzen in zweiteiliger Form besteht, und Bononcinis op. 3 von 1669, das ebenfalls aus einzelnen Sätzen besteht und keine Tanzsuite ist. Nach 1700 tendierten Komponisten dazu, die Sonata da camera mit der Sonata da chiesa zu verschmelzen, und Werke mit Tanzsätzen erhielten verschiedene andere Bezeichnungen wie Partita, Suite, Ordre, Ouvertüre oder Air.
Sonaten da camera wurden häufig für zwei Violinen und Basso continuo komponiert. Diese dreistimmige Besetzung war auch als Triosonate bekannt, doch wurden solche Werke oft mit einem Cellisten oder einem anderen Instrument, das den Bass übernahm, aufgeführt. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass die Instrumente, die in Corellis Umfeld für den Basso continuo verwendet wurden, sehr vielfältig waren und unter anderem Theorbe, Gitarre und Orgel umfassten. Unklare Angaben auf den Titelseiten von Corellis Werken haben viele zu dem Schluss geführt, dass der Continuo entweder ein Cembalo oder ein Cello gewesen sein könnte, und nicht beide, wie bisher angenommen.
Besetzung: Flöte, Oboe, Vocals und Basso continuo.