Giocomo Meyerbeer (1791–1864), ursprünglich Jakob Beer, wurde in einem kleinen Dorf unweit von Berlin geboren. Nach dem Tod seines Großvaters mütterlicherseits im Jahr 1811 fügte er dessen Vornamen seinem Nachnamen hinzu und änderte diesen während seines Studiums in Italien in die italienische Form. Meyerbeer, einer der berühmtesten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, und Kammermusik werden selten, wenn überhaupt, im selben Atemzug genannt. Doch Meyerbeer, ein enger Freund des deutschen Klarinettenvirtuosen Heinrich Bärmann, komponierte 1813 ein Quintett für Klarinette und Streicher, das er seinem Freund widmete.
Wer Carl Maria von Webers Klarinettenquintett op. 34 kennt, wird deutliche Ähnlichkeiten zwischen Webers und Meyerbeers Quintett feststellen. Dies ist mit ziemlicher Sicherheit kein Zufall. Man bedenke Folgendes: Sowohl Weber als auch Meyerbeer studierten zur selben Zeit bei Abbé Vogler in Darmstadt, beide wurden enge Freunde, beide pflegten enge Beziehungen zu Heinrich Bärmann, beide schrieben Quintette für Bärmann, und beide Quintette stammen fast aus derselben Zeit, obwohl Meyerbeers Quintett höchstwahrscheinlich zuerst fertiggestellt wurde. Wie Webers Quintett ist auch Meyerbeers ein Werk für den Klarinettisten, der zeitweise solistisch eingesetzt wird, wobei die Streicher nicht bloß Begleiter sind.
Die genaue Anzahl der Sätze des Quintetts ist umstritten. Das Werk wurde zu Meyerbeers Lebzeiten nicht veröffentlicht. Eine handschriftliche Abschrift der Partitur wurde nach dem Tod von Bärmanns Sohn Carl im Jahr 1885 in dessen Nachlass gefunden. Sie enthielt lediglich zwei Sätze – ein Allegro moderato und ein Rondo, allegro scherzando –, wobei man argumentieren könnte, dass der zweite Satz zwei Sätze in einem darstellt, da sich inmitten des Allegro scherzando ein längeres Adagio befindet. Das Werk wurde in der damaligen Zeit veröffentlicht. In den 1980er Jahren behauptete der berühmte Klarinettist Dieter Klöcker, den „fehlenden Mittelsatz“, ein Andante mit Variationen, in Form eines Stimmenauszugs gefunden zu haben, auf dem Carl Bärmann vermerkt hatte, dass die Musik von Meyerbeer für seinen Vater komponiert worden sei. Das Werk wurde daraufhin mit diesem neuen Satz veröffentlicht. Seitdem haben jedoch mehrere Gelehrte Klöckers Behauptung aus verschiedenen Gründen angezweifelt. Hauptgrund dafür ist, dass es unwahrscheinlich sei, dass ein ganzer Satz in einer Partitur ausgelassen worden wäre, und dass Meyerbeer diese Musik durchaus als eigenständiges Werk konzipiert haben könnte. Weber hatte etwas Ähnliches getan. Daher enthält unsere neue Ausgabe, die sich an die Autographpartitur hält, diesen „neuen“ Satz nicht.
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