„Ave Maria“ ist eine Vertonung des lateinischen Gebets Ave Maria und erschien ursprünglich 1853 unter dem Titel „Méditation sur le 1er prélude de piano de S. Bach“. Das Stück basiert auf einer Melodie des französischen Romantikers Charles Gounod, die er über eine nur geringfügig veränderte Fassung von Bachs Präludium Nr. 1 in C-Dur, BWV 846, aus dem ersten Band seines Wohltemperierten Klaviers (1722) legte. Die Ausgabe von 1853 enthält einen französischen Text, doch die Fassung von 1859 mit dem lateinischen „Ave Maria“ erlangte größere Bekanntheit.
Gounod orientierte sich bei seinem Werk an Bachs Präludium, einer harmonischen Studie in gebrochenen Akkorden. Er verwendete die ersten vier Takte als Präludium und wiederholte sie für den ersten Einsatz der Stimme. Er verwendete Bachs Komposition in der Fassung mit einem eingefügten Takt nach den ursprünglichen 22 Takten, dem damals üblichen Schwencke-Takt. In diesem Takt wiederholt die Stimme ein ausdrucksvolles „Maria!“. Er fügte Tempoangaben, Moderato, Pedalbezeichnungen für den Pianisten und Dynamikangaben hinzu.